Müller, Ute; Kemmerling, Kirsten; Sauerwein, Helga: Chlamydien-Infektionen bei Milchvieh: Untersuchung zur Verbreitung in Betrieben Nordrhein-Westfalens. Bonn: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Landwirtschaftliche Fakultät, Lehr- und Forschungsschwerpunkt Umweltverträgliche und Standortgerechte Landwirtschaft USL, 2008. In: Forschungsbericht / Lehr- und Forschungsschwerpunkt "Umweltverträgliche und Standortgerechte Landwirtschaft" an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität, 153.
Online-Ausgabe in bonndoc: http://hdl.handle.net/20.500.11811/1248
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author = {{Ute Müller} and {Kirsten Kemmerling} and {Helga Sauerwein}},
title = {Chlamydien-Infektionen bei Milchvieh: Untersuchung zur Verbreitung in Betrieben Nordrhein-Westfalens},
publisher = {Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Landwirtschaftliche Fakultät, Lehr- und Forschungsschwerpunkt Umweltverträgliche und Standortgerechte Landwirtschaft USL},
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volume = 153,
note = {Chlamydieninfektionen werden für eine Reihe von Fruchtbarkeitsstörungen und Atemwegserkrankungen beim Rind in Verbindung gebracht. Die entsprechende Literatur basiert in erster Linie auf serologischen Untersuchungen und weniger auf dem molekularbiologischen Direktnachweis der Erreger. Des Weiteren sind keine systematischen epidemiologische Studien zu finden. Demnach war das Ziel der Projektstufe I die Ermittlung der Erregerprävalenz in Milchviehbetrieben in NRW. Dafür wurden von den ca. 6.500 Milchviehbetrieben in NRW 100 Betriebe zufällig ausgewählt, wobei bei der Auswahl die Verteilung der Betriebe auf die Landkreise und die Anzahl Kühe pro Landkreis berücksichtigt wurden. Pro Betrieb wurden 10% der Herde (aber mindestens 10 Kühe) beprobt. Von den ausgewählten Kühen in der Frühlaktation wurden zwei Vaginaltupfer entnommen und diese zum einen bakteriologisch und zum anderen mit PCR-Nachweisverfahren untersucht. Die Proben wurden zunächst mittels real-time PCR genus-spezifisch (äußere Primer) auf Chlamydophhila spp. getestet. Im Falle positiver Nachweise dient das erhaltene PCR-Produkt als Matrix für die zweite Runde, die Spezies–spezifische PCR. Um die Prävalenz des Chlamydophila-Nachweises auf Landesebene zu ermitteln, wurde ein Betrieb als positiv eingestuft, sobald mindestens eine Kuh positiv getestet wurde. Diese Annahme ist durch die diskontinuierliche Ausscheidung von Chlamydien begründet. In den 32 Landkreisen des Landes wurden letztendlich von 100 milchviehhaltenden Betrieben insgesamt 1074 Kühe beprobt. Von den 1074 Tieren zeigte sich bei 145 Kühen (13,5 %) ein Chlamydophila-positives Ergebnis. Die Prävalenz auf Betriebsebene lag bei 61 %, d.h. in 61 % der Milchviehbetriebe in NRW war mindestens eine Kuh Chlamydophila positiv. Von den 145 Kühen waren 34 mit Chlamydophila abortus und 52 mit Chlamydophila psittaci infiziert. Chlamydophila pecorum konnte nur bei 8 Kühen nachgewiesen werden und spielte daher eher eine untergeordnete Rolle. Die übrigen Proben konnten nicht spezifiziert werden. Die bakteriologische Untersuchung der Vaginalsekrete von 544 Kühen ergab, dass bei den Chlamydophila positiv getesteten Kühen der Anteil mit hämolysierenden Staphylokokken- Infektionen signifikant höher war. Auf der Basis der Ergebnisse aus Stufe I erfolgte im Anschluss an die Beprobung der Tiere und der PCR-Analyse die Zusammenstellung und Verrechnung der erhobenen, betriebsindividuellen Faktoren, Kennziffern etc. (Stufe II). Das endgültige Ziel der Stufe II war eine Checkliste mit verschiedenen Risikofaktoren, welche mit relativ geringem Aufwand (zeitlich und finanziell) in einem Betrieb, dessen Chlamydienstatus nicht bekannt ist, erhoben und zur Einstufung im Hinblick auf die Chlamydiengefährdung führen kann. Dieses Ziel wurde über eine schrittweise statistische Analyse der während der Besuche erhobenen Betriebsdaten erreicht. Die Betriebsdaten setzten sich zusammen aus MLP-Daten der Einzeltiere und der Herde, aus den Daten zu den betrieblichen Gegebenheiten sowie verschiedene Gesundheitsdaten. Die erhobenen Daten dienten zum einen der Beschreibung der „Chlamydien positiv“ und „Chlamydien negativ“ eingestuften Betrieben. Zum anderen deckten sie die Bedingungen ab, die eine Chlamydienausbreitung begünstigen, d.h. sie beschreiben die Übertragungswege von Chlamydien (u.a. fäkal-oral, genital). Im Rahmen der Datenauswertung wurde zunächst jede einzelne Variable auf ihren Einfluss auf den Chlamydienstatus getestet. Die Parameter mit signifikantem Einfluss wurden in die vorläufige Liste mit aufgenommen, wobei ähnliche Variablen (mittels Korrelationsanalyse) ausgeschlossen wurden. Bei der Aufzählung fiel auf, dass die gelisteten Parameter nicht nur im Zusammenhang mit einer Chlamydieninfektion stehen können, sondern auch mit anderen Infektionskrankheiten, welche schwerpunktmäßig zu Fruchtbarkeitsstörungen führen. Im Folgenden fand die aufwendige Berechnung mehrerer logistischer Regressions-Modelle mit verschiedenen Kombinationen der ausgewählten Variablen statt sowie eine anschließende Diskriminanzanalyse zur Ermittlung der Variablen-Kombination mit den besten Klassifizierungsergebnissen bzw. Vorhersagewahrscheinlichkeiten. Die letztendliche Checkliste als Ergebnis der statistischen Datenanalyse besteht aus den folgenden drei Parametern: Kälbersterblichkeit, Ort der Abkalbung und Art der Besamung. Sie beeinflussen die Vorhersage zur Einstufung eines „unbekannten“ Milchviehbetriebes (d.h. ohne bisherige Untersuchung des Chlamydienstatus) in „Chlamydien positiv“ oder „Chlamydien negativ“ am stärksten. Mit Hilfe der drei genannten Kriterien konnten von den 61 positiv eingestuften Betrieben 53 (= 86 %) vorhergesagt werden und von den 39 negativ eingestuften Betrieben 33 (= 85 %). Die Parameter Rastzeit, Kalbezeitpunkt, Aussehen des Fundaments, der Klauen oder der Gelenke, Zukauf (einschließlich Deckbulle), Boxensauberkeit oder Spaltensauberkeit sowie Sauberkeit der Kuh oder des Vaginalbereichs dienen nicht der Einstufungsvorhersage. Es ist aber ratsam, sie mit aufzunehmen, um neben den Einstufungskriterien gleichzeitig weitere wichtige Risikofaktoren und Kennziffern zur Klassifizierung und je nach Parameter auch zur Minimierung der Übertragung von Chlamydophila spp. innerhalb von und zwischen Milchviehbetrieben kenntlich zu machen. Entsprechend der betriebsindividuellen Angaben ist damit zum einen die Vorhersage der Gefährdung oder Nicht-Gefährdung durch Chlamydien möglich (mit ihrer jeweiligen Wahrscheinlichkeit). Zum anderen werden die wichtigsten Risikofaktoren für die Chlamydieninfektion für einen Milchviehbetrieb abgefragt. Die Schlussfolgerungen aus den jeweiligen Angaben können in die Betriebsberatung/-betreuung mit aufgenommen werden. Das abgeschlossene Forschungsprojekt trägt – durch die entsprechende Verbreitung der Prävalenzen (Stufe I) sowie der Listen bei Beratern und Tierärzten (Stufe II) – zur Aufklärung von Chlamydieninfektion bei Milchvieh in NRW bei.},
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