Boller, Jörn; Schindler, Matthias; Wittmann, Dieter; Möseler, Bodo Maria: Auswirkungen der extensiven Bewirtschaftung von Dauergrünland auf Heuschrecken und Hummeln. Bonn: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Landwirtschaftliche Fakultät, Lehr- und Forschungsschwerpunkt Umweltverträgliche und Standortgerechte Landwirtschaft USL, 2017. In: Forschungsbericht / Lehr- und Forschungsschwerpunkt "Umweltverträgliche und Standortgerechte Landwirtschaft" an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität, 184.
Online-Ausgabe in bonndoc: http://hdl.handle.net/20.500.11811/1281
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title = {Auswirkungen der extensiven Bewirtschaftung von Dauergrünland auf Heuschrecken und Hummeln},
publisher = {Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Landwirtschaftliche Fakultät, Lehr- und Forschungsschwerpunkt Umweltverträgliche und Standortgerechte Landwirtschaft USL},
year = 2017,
series = {Forschungsbericht / Lehr- und Forschungsschwerpunkt "Umweltverträgliche und Standortgerechte Landwirtschaft" an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität},
volume = 184,
note = {Das Land Nordrhein-Westfalen fördert im Zuge des "NRW-Programm Ländlicher Raum 2007-2013" Maßnahmen zur Erhaltung und zur umweltverträglichen Nutzung des Dauergrünlandes. Hierzu zählt die Agrarumweltmaßnahme "Extensive Dauergrünlandnutzung", deren Umsetzungsschwerpunkte sich in den Mittelgebirgslagen befinden. Während die günstige Wirkung dieser Maßnahme auf den abiotischen Ressourcenschutz anerkannt ist, liegen bislang nur wenige Erkenntnisse zu möglichen positiven Effekten auf die Biodiversität vor. Ziel der vorliegenden Studie war es, am Beispiel von Heuschrecken und Hummeln die Auswirkungen der Agrarumweltmaßnahme in Nordrhein-Westfalen zu analysieren. Die Untersuchungen wurden in den Jahren 2013 bis 2015 in den Mittelgebirgsregionen der Eifel und des Süderberglandes durchgeführt. Es erfolgte ein Vergleich von Grünlandflächen, die nach den Vorgaben der Agrarumweltmaßnahme bewirtschaftet wurden (AUM-Flächen) mit benachbarten Grünlandflächen ohne Bewirtschaftungsauflagen (VGL-Flächen). In der Eifel wurde als Referenz zusätzlich Grünland einbezogen, das nach Auflagen des Vertragsnaturschutzes bewirtschaftet wurde (VNS-Flächen). In den Jahren 2013 und 2014 wurden 24 Grünlandflächen (10 AUM, 10 VGL, 4 VNS) und in 2015 insgesamt 35 Grünlandflächen (14 AUM, 14 VGL, 7 VNS) untersucht. In den drei Untersuchungsjahren wurden von Mai bis September Heuschrecken per Streifnetzmethode und Hummeln per Sichtfang entlang festgelegter Transekte erfasst. Ein qualitativer Nachweis der Heuschreckenarten erfolgte zusätzlich anhand akustischer Merkmale. Auf allen Untersuchungsflächen wurden melittophile Blütenpflanzen und deren Dichte sowie die Vegetationshöhe der Pflanzenbestände erfasst. Ergänzend wurden innerhalb eines Landschaftsausschnitts mit einem Radius von einem Kilometer um die Untersuchungsflächen Biotop- und Nutzungstypen kartiert. Insgesamt wurden auf den Grünlandflächen in der Eifel und im Süderbergland 19 Heuschreckenarten nachgewiesen. Die Artenzusammensetzung der Heuschreckengemeinschaften beider Landschaftsräume war ähnlich. Auf den AUM-Flächen wurden im Vergleich zu den VGL-Flächen in der Tendenz eine höhere Artenzahl und Diversität von Heuschrecken festgestellt. VNS-Flächen wiesen gegenüber den VGL-Flächen signifikant höhere Werte der ermittelten Diversitätsparameter auf. Bei der Zusammensetzung der unterschiedlichen ökologischen Gruppen gab es zwischen den Bewirtschaftungsvarianten keine signifikanten Unterschiede. Der Anteil von Flächen, mit Vorkommen von Langfühlerschrecken, war bei den AUM-Flächen höher als bei den VGL-Flä-chen. Der verstärkte Nachweis von Larvenstadien belegt deren bessere Eignung als Reproduktionshabitat. Auf den VNS-Flächen traten Langfühlerschrecken mit der höchsten Stetigkeit auf. Das Auftreten von Langfühlerschrecken trägt maßgeblich zu der Diversität der Heuschreckengemeinschaften bei. Die Abundanz der Langfühlerschreckenarten korrelierte mit der Vegetationshöhe der Untersuchungsflächen. Die Hummelgemeinschaften umfassten insgesamt 16 Arten. Im Süderbergland (8 Hum-melarten) wurde gegenüber der Eifel (15 Hummelarten) eine deutlich geringere Artendiversität erfasst. Die Zusammensetzung der ökologischen Gruppen unterschied sich stärker zwischen den Landschaftsräumen als zwischen den Bewirtschaftungsvarianten. Die Artenzahlen, Abundanzen und Diversitätswerte der Hummelgemeinschaften waren auf den AUM-Flächen tendenziell höher als auf den VGL-Flächen. Auf den VNS-Flächen wurden gegenüber den VGL-Flächen signifikant höhere Werte dieser Diversitätsparameter festgestellt. Die höheren Individuenzahlen auf den AUM-Flächen resultieren insbesondere aus der hohen Abundanz der Distanzsammler Bombus lucorum und Bombus lapidarius. Distanzsammler sind in der Lage, weite Strecken zwi-schen ihrem Nist- und Nahrungshabitat zurückzulegen. Ein entscheidender Faktor für ihre Abundanz ist die Blütendichte. Zum Zeitpunkt der dominanten Kleeblüte im Juni nutzen sie die AUM-Flächen als Sammelhabitate. Nahbereichssammler wurden mit höheren Artenzahlen auf den AUM- und VNS-Flächen nachgewiesen. Nahbereichssamller sind auf ein stetes Blütenangebot in der direkten Umgebung ihres Nistplatzes angewiesen. Da die meisten Hummelarten Generalisten sind, wirkte sich die Vielfalt von Blütenpflanzenarten hingegen nur in geringem Umfang auf die Hummeldiversität aus. Die Ergebnisse zeigen, dass Heuschrecken und Hummeln von extensiven Grünlandbewirtschaftungsformen profitieren. Die verpflichtende reduzierte Düngung und die Festlegung einer maximalen Viehesatzstärke im Betrieb von 1,4 raufutterfressenden Großvieheinheiten (RGV) je Hektar Hauptfutterfläche bei der Agrarumweltmaßnahme „Extensive Dauergrünlandnutzung“ sind zweifelsfrei wichtige Ansatzpunkte zur Förderung der Biodiversität und Stabilisierung von Graslandökosystemen. Mit der Reduzierung des Düngeniveaus wird auf vielen Standorten erst nach vielen Jahren ein Anstieg der Artenvielfalt des Pflanzenbestandes erreicht. Trotzdem ist davon auszugehen, dass durch die generelle Ausdehnung des Flächenumfangs der Agrarumweltmaßnahme „Extensive Dauergrünlandnutzung“ positive Effekte auf wirbellose Tiere erzielt werden. Die Ergebnisse der VNS-Flächen zeigen, dass die Reduzierung der Schnitttermine ein wichtiger Ansatzpunkt für die Steigerung der Habitatqualität von Grünlandflächen für Heuschrecken und Hummeln ist. Die Anzahl der Grünlandschnitte beeinflusst sowohl die zeitliche Verfügbarkeit des Blütenangebots für Hummeln als auch die Verfügbarkeit von Reproduktionsräumen für Heuschrecken. Die positive Wirkung der Agrarumweltmaßnahme „Extensive Dauergrünlandnutzung“ kann folglich durch die Festlegung von „Ruhephasen“ (ohne Mahd oder Beweidung) oder „Nutzungsverzichtsstreifen“ (s.u.) weiter gestärkt werden. Bei der Ausrichtung dieser zusätzlichen Maßnahmen müssen allerdings sowohl die Anforderungen von Milchvieh- und Mutterkuhbetrieben an die Futterleistung und -qualität des Grünlandes als auch die generelle Verwertbarkeit des Aufwuchses beachtet werden. Ein Hochschnitt (mindestens 8 cm oberhalb des Bodens) könnte dazu beitragen, niedrigwüchsige Kleearten und andere Blütenpflanzen als Nahrungsressource für Hummeln auch nach der Mahd zu erhalten und darüber hinaus die Mortalitätsrate der Heuschrecken durch mechanische Einwirkung bei der Mahd zu reduzieren. Als Zusatzmaßnahme für die naturschutzgerechte Grünlandbewirtschaftung schlagen wir vor, nach der ersten Nutzung etwa 5 % der Fläche (als Streifen oder Insel) bis ins Folgejahr von der weiteren Bewirtschaftung auszusparen. Folgende Effekte werden erwartet: • Erhöhung der Strukturvielfalt - Bereitstellung zusätzlicher Habitate durch dauerhafte Strukturen innerhalb der Landschaft auch im Winter, • Erhaltung von Rückzugsräumen - Quellbiotop für die Wiederbesiedlung der Flä-che nach der Nutzung, • Erhaltung von Reproduktionshabitaten - insbesondere für pflanzenbrütende Heuschreckenarten, • Erhaltung von Nahrungshabitaten für Hummeln - Gewährleistung eines kontinuierlichen Ressourcenangebotes, • Vernetzung - Vor allem eine streifenförmige Anordnung dient als Ausbreitungsachse und kann so Lebensräume miteinander verbinden.},
url = {http://hdl.handle.net/20.500.11811/1281}
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