Barthlott, Wilhelm; Lobin, Wolfram (Hrsg.): Amorphophallus titanum. Mainz: Akademie der Wissenschaften und der Literatur, 1998. In: Barthlott, Wilhelm; Lobin, Wolfram (Hrsg.): Tropische und subtropische Pflanzenwelt, 99 (1998).
Online-Ausgabe in bonndoc: https://hdl.handle.net/20.500.11811/14106
Online-Ausgabe in bonndoc: https://hdl.handle.net/20.500.11811/14106
@book{handle:20.500.11811/14106,
editor = {{Wilhelm Barthlott} and {Wolfram Lobin}},
title = {Amorphophallus titanum},
publisher = {Akademie der Wissenschaften und der Literatur},
year = 1998,
series = {Tropische und subtropische Pflanzenwelt},
volume = 99 (1998),
note = {Die spektakulärste unter den rund 270000 bekannten Blütenpflanzen ist vermutlich Amorphophallus titanum: Als dunkel purpurfarbige Fontäne entfaltet er eine bis über drei Meter hohe übelriechende Blume - so groß, daß sich ein erwachsener Mensch darin verstecken könnte. Der wahrhaft unheimlichen Faszination dieses Regenwald-Titanen kann man sich kaum entziehen: Als sich in den Gewächshäusern des Botanischen Gartens der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn im Mai 1996 gleich zwei dieser kurzlebigen Blumen entfalteten, lockten sie innerhalb weniger Tage ca. 30000 Besucher an.
Die Titanenwurz, ein Aronstabgewächs, wurde vor 119 Jahren von dem italienischen Botaniker ODOARDO BECCARI auf Sumatra entdeckt. Man würde erwarten, daß diese außerordentliche Pflanze inzwischen wissenschaftlich bestens untersucht ist - aber genau das Gegenteil ist überraschenderweise der Fall. Der Grund ist einfach: Amorphophallus titanum ist selten - sowohl in seiner Heimat als auch in der Kultur. Als sich 1987 in Bonn die erste Blume (morphologisch ist es ein Blütenstand) seit dem zweiten Weltkrieg öffnete, waren weltweit nur 21 Blühereignisse bekannt. Als wir die voll geöffnete Blume für eine genaue Untersuchung abschnitten - das hatte bis dahin nie jemand gemacht - zeigten schon die ersten Analysen Erstaunliches: sie wog bei aller Stabilität nur wenige Kilogramm, vermutlich die eleganteste LeichtbauKonstruktion im Pflanzenreich.
BECCARI hatte bereits 1878 Samen gesammelt, die über Florenz nach Kew bei London gelangten, wo die Pflanze zum erstenmal 1889 in Kultur blühte. Rund zwei Dutzend Pflanzen sind in den folgenden einhundert Jahren in Botanischen Gärten zur Blüte gelangt. Die größte Blume hatte eine Höhe von 270 Zentimetern, nach Expeditionsberichten wird sie in ihrer Heimat bis dreieinhalb Meter hoch. Noch gewaltiger ist das einzige Blatt, das sich aus der bis 75 kg schweren unterirdischen Knolle entfaltet: auf dem bis 5 Meter hohen Blattstiel entwickelt sich eine vielfach geteilte Blattspreite mit einem Durchmesser von ebenfalls bis zu 5 Metern. Unbefangene Betrachter halten das Ganze eher für einen Baum als für ein einzelnes Blatt.
Amorphophallus hat in Bonn eine lange Tradition - schon der Gründungsdirektor des Botanischen Gartens, C.G. NEES VON ESENBECK, beschäftigte sich vor 1829 mit dieser Gattung. Insgesamt gibt es rund 170 Amorphophallus-Arten in Afrika und vor allem in Asien. Heute ist in den Bonner Gewächshäusern eine der umfangreichsten Lebend-Sammlungen mit rund 25 Arten zusammengetragen; wovon die afrikanischen Arten monographisch bearbeitet werden. Unter diesen Arten gibt es wahre Zwerge, die nur 15 cm hoch werden - keine erreicht mit ihren Blumen auch nur annährend die Dimension von A. titanum. Die Titanenwurz wurde erstmals durch Professor MAX KOERNIKE, einem Schüler EDUARD STRASBURGERS, nach Bonn gebracht: er hatte 1934 in Sumatra Knollen gesammelt. Bereits vor dem zweiten Weltkrieg hatte A. titanum in den Jahren 1937 und 1940 in Bonn geblüht.
Die erste Pflanze nach dem Kriege blühte 1987 und es entstand die Idee, eine monographische Bearbeitung dieser spektakulären und doch überraschenderweise weitgehend unbekannten Pflanze anzufertigen. Der Abschluß verzögerte sich erheblich, es wurden zusätzlich elektronenmikroskopische und physiologische Arbeiten durchgeführt und weitere Kapitel bis hin zur Entdeckungsgeschichte und Gewebekultur integriert. Als die Arbeiten im Frühjahr 1996 druckfertig vorlagen entwickelten sich zwei weitere Blütenstände, die bestäubt werden konnten und Samen produzierten: die Entwicklung von rund 200 Jungpflanzen konnte erstmals studiert werden. Eine dieser beiden Pflanzen gelangte im Mai 1998 wiederum zur Blüte: es deutet sich damit an, daß möglicherweise im natürlichen Lebensrythmus des adulten A. titanum alternierend im Jahreswechsel jeweils ein Blatt und dann ein Blütenstand entwickelt wird.},
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Die Titanenwurz, ein Aronstabgewächs, wurde vor 119 Jahren von dem italienischen Botaniker ODOARDO BECCARI auf Sumatra entdeckt. Man würde erwarten, daß diese außerordentliche Pflanze inzwischen wissenschaftlich bestens untersucht ist - aber genau das Gegenteil ist überraschenderweise der Fall. Der Grund ist einfach: Amorphophallus titanum ist selten - sowohl in seiner Heimat als auch in der Kultur. Als sich 1987 in Bonn die erste Blume (morphologisch ist es ein Blütenstand) seit dem zweiten Weltkrieg öffnete, waren weltweit nur 21 Blühereignisse bekannt. Als wir die voll geöffnete Blume für eine genaue Untersuchung abschnitten - das hatte bis dahin nie jemand gemacht - zeigten schon die ersten Analysen Erstaunliches: sie wog bei aller Stabilität nur wenige Kilogramm, vermutlich die eleganteste LeichtbauKonstruktion im Pflanzenreich.
BECCARI hatte bereits 1878 Samen gesammelt, die über Florenz nach Kew bei London gelangten, wo die Pflanze zum erstenmal 1889 in Kultur blühte. Rund zwei Dutzend Pflanzen sind in den folgenden einhundert Jahren in Botanischen Gärten zur Blüte gelangt. Die größte Blume hatte eine Höhe von 270 Zentimetern, nach Expeditionsberichten wird sie in ihrer Heimat bis dreieinhalb Meter hoch. Noch gewaltiger ist das einzige Blatt, das sich aus der bis 75 kg schweren unterirdischen Knolle entfaltet: auf dem bis 5 Meter hohen Blattstiel entwickelt sich eine vielfach geteilte Blattspreite mit einem Durchmesser von ebenfalls bis zu 5 Metern. Unbefangene Betrachter halten das Ganze eher für einen Baum als für ein einzelnes Blatt.
Amorphophallus hat in Bonn eine lange Tradition - schon der Gründungsdirektor des Botanischen Gartens, C.G. NEES VON ESENBECK, beschäftigte sich vor 1829 mit dieser Gattung. Insgesamt gibt es rund 170 Amorphophallus-Arten in Afrika und vor allem in Asien. Heute ist in den Bonner Gewächshäusern eine der umfangreichsten Lebend-Sammlungen mit rund 25 Arten zusammengetragen; wovon die afrikanischen Arten monographisch bearbeitet werden. Unter diesen Arten gibt es wahre Zwerge, die nur 15 cm hoch werden - keine erreicht mit ihren Blumen auch nur annährend die Dimension von A. titanum. Die Titanenwurz wurde erstmals durch Professor MAX KOERNIKE, einem Schüler EDUARD STRASBURGERS, nach Bonn gebracht: er hatte 1934 in Sumatra Knollen gesammelt. Bereits vor dem zweiten Weltkrieg hatte A. titanum in den Jahren 1937 und 1940 in Bonn geblüht.
Die erste Pflanze nach dem Kriege blühte 1987 und es entstand die Idee, eine monographische Bearbeitung dieser spektakulären und doch überraschenderweise weitgehend unbekannten Pflanze anzufertigen. Der Abschluß verzögerte sich erheblich, es wurden zusätzlich elektronenmikroskopische und physiologische Arbeiten durchgeführt und weitere Kapitel bis hin zur Entdeckungsgeschichte und Gewebekultur integriert. Als die Arbeiten im Frühjahr 1996 druckfertig vorlagen entwickelten sich zwei weitere Blütenstände, die bestäubt werden konnten und Samen produzierten: die Entwicklung von rund 200 Jungpflanzen konnte erstmals studiert werden. Eine dieser beiden Pflanzen gelangte im Mai 1998 wiederum zur Blüte: es deutet sich damit an, daß möglicherweise im natürlichen Lebensrythmus des adulten A. titanum alternierend im Jahreswechsel jeweils ein Blatt und dann ein Blütenstand entwickelt wird.},
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