Georgiadou-Hermann, Polixeni: Emanzipation durch Literatur : Das Frauenbild in den Werken "La serva amorosa" (1752) und "La locandiera" (1753) von Carlo Goldoni. - Bonn, 2026. - Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
Online-Ausgabe in bonndoc: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:5-87076
Online-Ausgabe in bonndoc: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:5-87076
@phdthesis{handle:20.500.11811/13808,
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school = {Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn},
year = 2026,
month = jan,
note = {Die im 18. Jahrhundert auf der italienischen Halbinsel vorherrschende Rechtszersplitterung ermöglichte nur begrenzt weibliche Selbstbestimmung: Ehe- und Familienrecht blieben fest in kirchlicher Hand, geprägt vom tridentinischen Sakramentenverständnis und patriarchalen Normen, die Frauen rechtlich weitgehend entrechteten. Frauen standen unter männlicher Vormundschaft, erst des Vaters, dann des Ehemanns, und ihre Handlungsmacht war in Erb- wie Ehefragen stark eingeschränkt. Auch das Erbrecht benachteiligte Frauen strukturell: In vielen Regionen, etwa im Kirchenstaat oder in Venedig, hatten Töchter allenfalls eingeschränkte Nutzungsrechte oder wurden durch testamentarische Verfügung übergangen. Selbst dort, wo erste Reformimpulse sichtbar wurden, wie im Großherzogtum Toskana unter Pietro Leopoldo, blieben konkrete Verbesserungen der weiblichen Rechtsstellung marginal und auf symbolischer Ebene. Vor diesem Hintergrund erscheinen die Handlungsfreiheit und Entscheidungsgewalt, die Goldoni seinen weiblichen Figuren wie Corallina und Mirandolina zuschreibt, als bewusste literarische Antithese zur gesellschaftlichen Realität. Die Tatsache, dass beide Protagonistinnen ihre Ehe nicht als Resultat männlicher Verfügung, sondern als Ausdruck selbstbestimmter, strategischer Wahl gestalten, stellt in einem historischen Kontext, in dem Ehen primär durch Familieninteresse, Mitgiftlogik und konfessionelle Kontrolle geregelt wurden, einen Akt subversiver Selbstermächtigung dar. Ihre symbolische Mitgift, bei Corallina moralische Anerkennung, bei Mirandolina ökonomische Unabhängigkeit, ersetzt das formale Rechtsinstrument durch ein literarisches Konzept weiblicher Autonomie. Goldoni nutzt damit die Bühne, um die juristischen Begrenzungen weiblicher Existenz nicht nur zu reflektieren, sondern gezielt zu durchbrechen – seine Protagonistinnen agieren im Theaterraum, wie Frauen es im Rechtsraum ihrer Zeit nicht durften: selbstbestimmt, reflexiv und souverän.},
url = {https://hdl.handle.net/20.500.11811/13808}
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urn: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:5-87076,
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