Nöldeke, Svenja: Pädiatrische Oligodendrogliome: Ein eigenständiger Tumor-Typ?. - Bonn, 2026. - Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
Online-Ausgabe in bonndoc: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:5-87824
@phdthesis{handle:20.500.11811/13875,
urn: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:5-87824,
doi: https://doi.org/10.48565/bonndoc-778,
author = {{Svenja Nöldeke}},
title = {Pädiatrische Oligodendrogliome: Ein eigenständiger Tumor-Typ?},
school = {Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn},
year = 2026,
month = feb,

note = {Die WHO-Klassifikation der Tumoren des zentralen Nervensystems definiert diffus infiltrierend wachsende Gliome seit der 4. revidierten Auflage von 2016 nicht mehr ausschließlich anhand histologischer Kriterien, sondern unter Einbeziehung definierter molekularer Parameter. Die Diagnose eines Oligodendroglioms (WHO-Grad II) beziehungsweise eines anaplastischen Oligodendroglioms (WHO-Grad III) erfordert dabei den Nachweis einer IDH-Mutation sowie einer 1p/19q-Codeletion. Diese Konstellation findet sich überwiegend bei Erwachsenen und älteren Jugendlichen, da IDH-Mutationen im Kindesalter selten sind. Histologisch oligodendroglial imponierende Tumoren ohne diese molekularen Merkmale werden in der WHO-Klassifikation als "pediatric subtype" geführt. Aufgrund fehlender definierter Marker und zahlreicher Differenzialdiagnosen stellt ihre neuropathologische Einordnung eine besondere Herausforderung dar.
Über oligodendroglial differenzierte Tumoren im Kindesalter liegen bislang nur wenige Daten vor, insbesondere für hochgradige Tumoren. Zudem ist die prognostische Bedeutung anaplastischer Veränderungen in diesen Fällen unklar. Ziel der vorliegenden Arbeit war es daher zu untersuchen, ob ein eigenständiger Tumortyp eines pädiatrischen Oligodendroglioms existiert und anhand wiederkehrender molekularer Merkmale definiert werden kann.
Hierzu wurden Tumorproben pädiatrischer Patientinnen und Patienten aus den Therapieoptimierungsstudien HIT-GBM (B–D) und HIT-HGG-2007 reevaluiert. Aus einer Gesamtkohorte von etwa 1600 Kindern mit hochgradigen Gliomen wurden zunächst 34 Tumoren mit oligodendroglialer oder oligoastrozytärer Differenzierung identifiziert. Nach Ausschluss ungeeigneter Proben verblieben 26 Fälle, die gemäß den Kriterien der WHO-Klassifikation 2021 neuropathologisch reklassifiziert und umfassend molekular charakterisiert wurden. Hierfür kamen – abhängig vom verfügbaren Material – histologisch-mikroskopische Reevaluation, Immunhistochemie, DNA-basiertes Next-Generation-Sequencing, Multiplex Ligation-dependent Probe Amplification, Pyrosequenzierung, Molecular Inversion Probe Profiling, 850k-Methylierungsarrays sowie RNA-basierte Fusionsanalysen mittels Nanostring-Technologie und RNA-Sequenzierung zum Einsatz.
Die Reklassifikation ergab, dass lediglich zwei Tumoren die Kriterien eines klassischen Oligodendroglioms mit IDH-Mutation und 1p/19q-Codeletion erfüllten, wie sie typischerweise bei Erwachsenen vorkommen. Die übrigen 24 Fälle ließen sich anderen, teils neu definierten Tumorentitäten zuordnen, darunter astrozytär differenzierte sowie glioneuronale Tumoren.
Die Ergebnisse zeigen, dass ein histologisch oligodendroglialer Phänotyp im Kindesalter in unterschiedlichen Tumorentitäten auftreten kann und nicht spezifisch für das klassische Oligodendrogliom ist. Ein "Oligodendrogliom vom pädiatrischen Typ" lässt sich derzeit weder durch konsistente molekulare Veränderungen noch durch eine eigenständige epigenetische Signatur als eigenständiger Tumortyp definieren. Die Anwendung moderner molekulargenetischer Analysemethoden ermöglicht jedoch eine präzisere neuropathologische Diagnostik und bildet damit eine wesentliche Grundlage für Prognoseabschätzung und risikoadaptierte Therapie bei betroffenen Kindern.},

url = {https://hdl.handle.net/20.500.11811/13875}
}

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