Rieger, Julia: Interrater-Reliabiltät der Uroflowmetrie bei neurogener Dysfunktion des unteren Harntraktes durch Multiple Sklerose. - Bonn, 2026. - Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
Online-Ausgabe in bonndoc: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:5-88217
Online-Ausgabe in bonndoc: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:5-88217
@phdthesis{handle:20.500.11811/13923,
urn: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:5-88217,
author = {{Julia Rieger}},
title = {Interrater-Reliabiltät der Uroflowmetrie bei neurogener Dysfunktion des unteren Harntraktes durch Multiple Sklerose},
school = {Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn},
year = 2026,
month = feb,
note = {Bei der Diagnostik neurogener Blasenfunktionsstörungen wird in der Urologie die Uroflowmetrie als etabliertes Verfahren vor einer invasiveren Abklärung empfohlen. Personen mit Multipler Sklerose leiden häufig an einer neurogenen Dysfunktion des unteren Harntrakts, die mit erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität einhergehen kann. Eine schnelle und akkurate Diagnosestellung ist daher von großer Bedeutung.
Ziel dieser Arbeit war es, den Stellenwert der Uroflowmetrie im Hinblick auf verschiedene Diagnose- und Therapieentscheidungen bei Personen mit Multipler Sklerose in einer prospektiven Studie systematisch zu untersuchen.
Hierzu erhielten vier erfahrene Neurourologen verblindete Datensätze mit Anamnesen, Miktionstagebüchern und Uroflowmetrien von 92 Patienten. Für jede Person wurden auf einem Auswertungsbogen die Verdachtsdiagnose (Normalbefund, Detrusorüberfunktion, Detrusorunterfunktion, Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie, subvesikale Obstruktion) sowie mögliche Therapievorschläge (keine Therapie, Katheterisierung, Alpha-Blocker, detrusordämpfende Medikation, Botulinumtoxin A, sakrale Neuromodulation, Biofeedback/Physiotherapie) dokumentiert. Die statistische Auswertung erfolgte für Raterpaare mittels Cohen's Kappa und für alle Rater mittels Fleiss' Kappa. Für die Einzeldiagnosen zeigten sich Werte für Cohen's Kappa von 0,01 bis 0,32 sowie für Fleiss' Kappa von 0,09 bis 0,22. Bei den Therapien ergaben sich für Cohen's Kappa Werte von −0,06 bis 0,71. Der höchste Cohen's-Kappa-Wert wurde für Botulinumtoxin A mit 0,71 ermittelt, die niedrigsten Werte für sakrale Neuromodulation (−0,06) und Biofeedback/Physiotherapie (0,07). Für Fleiss' Kappa zeigten sich bei den Therapieentscheidungen Werte von −0,03 bis 0,32. Der höchste Fleiss'-Kappa-Wert wurde ebenfalls für Botulinumtoxin A (0,32) erreicht.
Somit wurde in den meisten Kategorien eine geringe bis ausreichende Übereinstimmung erzielt. Bei der Bewertung von Auswahlkombinationen war die Interrater-Reliabilität noch geringer. Insgesamt zeigte sich ein deutlicher individueller Einfluss der Rater auf die Untersuchungsergebnisse. Mit zunehmender Anzahl an Auswahlmöglichkeiten für Diagnose oder Therapie nahm die Interrater-Reliabilität entsprechend ab.
Es lässt sich schlussfolgern, dass die Befundung der Uroflowmetrie einer stärkeren Standardisierung bedarf, um die Interrater-Reliabilität und damit den Stellenwert der Untersuchung zu erhöhen. Die Etablierung einer Pattern-Recognition-Software könnte den Befundungsprozess qualitativ weiter verbessern. Analog zu dieser Arbeit sollte zudem die Urodynamik, die aktuell den Goldstandard in der Diagnostik neurogener Blasenfunktionsstörungen darstellt, untersucht werden. Durch einen Vergleich der Verdachtsdiagnosen und Therapieempfehlungen zwischen Urodynamik und Uroflowmetrie könnte der Stellenwert der Uroflowmetrie weiter beurteilt werden.},
url = {https://hdl.handle.net/20.500.11811/13923}
}
urn: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:5-88217,
author = {{Julia Rieger}},
title = {Interrater-Reliabiltät der Uroflowmetrie bei neurogener Dysfunktion des unteren Harntraktes durch Multiple Sklerose},
school = {Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn},
year = 2026,
month = feb,
note = {Bei der Diagnostik neurogener Blasenfunktionsstörungen wird in der Urologie die Uroflowmetrie als etabliertes Verfahren vor einer invasiveren Abklärung empfohlen. Personen mit Multipler Sklerose leiden häufig an einer neurogenen Dysfunktion des unteren Harntrakts, die mit erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität einhergehen kann. Eine schnelle und akkurate Diagnosestellung ist daher von großer Bedeutung.
Ziel dieser Arbeit war es, den Stellenwert der Uroflowmetrie im Hinblick auf verschiedene Diagnose- und Therapieentscheidungen bei Personen mit Multipler Sklerose in einer prospektiven Studie systematisch zu untersuchen.
Hierzu erhielten vier erfahrene Neurourologen verblindete Datensätze mit Anamnesen, Miktionstagebüchern und Uroflowmetrien von 92 Patienten. Für jede Person wurden auf einem Auswertungsbogen die Verdachtsdiagnose (Normalbefund, Detrusorüberfunktion, Detrusorunterfunktion, Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie, subvesikale Obstruktion) sowie mögliche Therapievorschläge (keine Therapie, Katheterisierung, Alpha-Blocker, detrusordämpfende Medikation, Botulinumtoxin A, sakrale Neuromodulation, Biofeedback/Physiotherapie) dokumentiert. Die statistische Auswertung erfolgte für Raterpaare mittels Cohen's Kappa und für alle Rater mittels Fleiss' Kappa. Für die Einzeldiagnosen zeigten sich Werte für Cohen's Kappa von 0,01 bis 0,32 sowie für Fleiss' Kappa von 0,09 bis 0,22. Bei den Therapien ergaben sich für Cohen's Kappa Werte von −0,06 bis 0,71. Der höchste Cohen's-Kappa-Wert wurde für Botulinumtoxin A mit 0,71 ermittelt, die niedrigsten Werte für sakrale Neuromodulation (−0,06) und Biofeedback/Physiotherapie (0,07). Für Fleiss' Kappa zeigten sich bei den Therapieentscheidungen Werte von −0,03 bis 0,32. Der höchste Fleiss'-Kappa-Wert wurde ebenfalls für Botulinumtoxin A (0,32) erreicht.
Somit wurde in den meisten Kategorien eine geringe bis ausreichende Übereinstimmung erzielt. Bei der Bewertung von Auswahlkombinationen war die Interrater-Reliabilität noch geringer. Insgesamt zeigte sich ein deutlicher individueller Einfluss der Rater auf die Untersuchungsergebnisse. Mit zunehmender Anzahl an Auswahlmöglichkeiten für Diagnose oder Therapie nahm die Interrater-Reliabilität entsprechend ab.
Es lässt sich schlussfolgern, dass die Befundung der Uroflowmetrie einer stärkeren Standardisierung bedarf, um die Interrater-Reliabilität und damit den Stellenwert der Untersuchung zu erhöhen. Die Etablierung einer Pattern-Recognition-Software könnte den Befundungsprozess qualitativ weiter verbessern. Analog zu dieser Arbeit sollte zudem die Urodynamik, die aktuell den Goldstandard in der Diagnostik neurogener Blasenfunktionsstörungen darstellt, untersucht werden. Durch einen Vergleich der Verdachtsdiagnosen und Therapieempfehlungen zwischen Urodynamik und Uroflowmetrie könnte der Stellenwert der Uroflowmetrie weiter beurteilt werden.},
url = {https://hdl.handle.net/20.500.11811/13923}
}





