Watzlawik, Niclas: Die Rolle des implantaterhaltenden Vorgehens bei Patienten mit akuter periprothetischer Infektion des Hüft- oder Kniegelenks. - Bonn, 2026. - Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
Online-Ausgabe in bonndoc: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:5-89139
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year = 2026,
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note = {Die periprothetische Infektion ist ein schweres Krankheitsbild, welches eine häufige Indikation für einen Folgeeingriff nach Implantation einer Hüft- oder Knieprothese darstellt (Grimberg et al., 2024). Im Rahmen der steigenden Zahlen an Primärimplantationen orthopädischer Prothesen ist auch von einer Zunahme der periprothetischen Infektionen auszugehen (Klug et al., 2021). Vor diesem Hintergrund wurde die Rolle des prothesenerhaltenden Vorgehens bei periprothetischer Infektion des Hüft- oder Kniegelenks an der Uniklinik Bonn mittels Débridement, Antibiotics, Irrigation and Implant Retention untersucht. Dieses bietet gegenüber einem zweizeitigen Vorgehen beispielsweise den Vorteil, dass der Patient direkt postoperativ vollbelastend physiotherapeutisch beübt werden kann und ist, bei Erfolg, mit einem höheren funktionellen Outcome assoziiert (Bolduc et al., 2021).
Hierzu wurden alle Fälle von periprothetischen Hüft- oder Kniegelenksinfektionen, welche zwischen 2018 und 2022 an der Uniklinik Bonn mittels Débridement, Antibiotics, Irrigation and Implant Retention behandelt wurden, aus der bestehenden Behandlungsdokumentation selektiert und mit einem Mindestbeobachtungszeitraum von zwei Jahren retrospektiv untersucht. Es wurden Daten zur Demographik des Patientenkollektivs sowie zu präoperativen diagnostischen Befunden, Keimspektrum und Behandlungs-Outcome untersucht und diese in den derzeitigen Kontext der Literatur eingeordnet und verglichen.
Die Ergebnisse zum Behandlungserfolg, definiert als infektfreies Überleben des Implantates, zeigten sich im Vergleich zur Literatur eher im unteren Bereich des Spektrums, wobei in der Literatur eine hohe Bandbreite an Erfolgsraten von 28 % bis 100 % berichtet wurde (Quasim et al., 2017). Das Keimspektrum zeigte sich Vergleichbar mit dem anderer Zentren aus der Vergleichsliteratur.
Erklärend für die relativ niedrige Erfolgsrate wurde die adverse Demographik des hiesigen Kollektivs im Vergleich zur Literatur gesehen. Zudem handelt es sich bei einigen der hier untersuchten Fälle an der Uniklinik Bonn um Salvage-Operationen (Gramlich und Parvizi, 2023), bei welchen die Indikationsstellung stark durch fehlende patientenseitige Resilienzfaktoren geprägt ist.
Auch das Infektionsalter (akuter Früh- oder akuter Spätinfekt) ist in vielen Studien zum Thema Débridement, Antibiotics, Irrigation and Implant Retention als wichtiger Prädiktor für den Therapieerfolg aufgeführt und hat sich auch in dieser Arbeit als einflussreich erwiesen. Präoperative Diagnostik wie C-reaktives Protein oder die zytologische Untersuchung von Gelenkpunktat könnten in Zukunft ebenfalls bei der Indikationsstellung helfen, es ist aber weitere Forschung, beispielsweise zur Findung eines Goldstandards bzw. Konsensus bzgl. Cut-off Werten, nötig.
Insgesamt scheinen eine strenge Indikationsstellung und kritische Bewertung der patientenindividuellen präoperativen Ausgangslage unerlässlich.
Das prothesenerhaltende Vorgehen mittels Débridement, Antibiotics, Irrigation and Implant Retention birgt aber, auf die richtigen Fälle angewandt, ein enormes Potential für die Behandlung des schwierigen Krankheitsbildes einer periprothetischen Infektion.},

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