Niemann, Max Johannes: Präklinische und klinische Analyse der Antikörper-Wirkstoffkonjugate Sacituzumab govitecan und Enfortumab vedotin beim metastasierten Prostatakarzinom. - Bonn, 2026. - Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
Online-Ausgabe in bonndoc: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:5-89240
@phdthesis{handle:20.500.11811/14048,
urn: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:5-89240,
doi: https://doi.org/10.48565/bonndoc-834,
author = {{Max Johannes Niemann}},
title = {Präklinische und klinische Analyse der Antikörper-Wirkstoffkonjugate Sacituzumab govitecan und Enfortumab vedotin beim metastasierten Prostatakarzinom},
school = {Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn},
year = 2026,
month = mar,

note = {Hintergrund
Die vorliegende Arbeit untersucht präklinisch und klinisch die Bedeutung der Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC) Sacituzumab govitecan (SG) und Enfortumab vedotin (EV) beim metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC). Ziel war es, die Expression der Zielantigene Trop-2 und Nectin-4 in Tumorgewebe und Zelllinien zu charakterisieren sowie deren Einfluss auf die Wirksamkeit der entsprechenden ADCs zu evaluieren.
Das Prostatakarzinom stellt eine der häufigsten malignen Erkrankungen des Mannes dar und ist insbesondere im metastasierten kastrationsresistenten Stadium mit einer schlechten Prognose und limitierten Therapieoptionen assoziiert. ADCs kombinieren die Spezifität monoklonaler Antikörper mit der Zytotoxizität klassischer Chemotherapeutika und ermöglichen eine gezielte Tumorzellabtötung bei potenziell reduzierter systemischer Toxizität. Vor diesem Hintergrund wurden SG (gerichtet gegen Trop-2) und EV (gerichtet gegen Nectin-4) als neue therapeutische Ansätze untersucht.
Methoden
Es wurden verschiedene humane Prostatakarzinom-Zelllinien (u. a. DU-145, PC-3, LNCaP, 22Rv1) hinsichtlich der Expression von Trop-2 und Nectin-4 mittels Western Blot und Durchflusszytometrie analysiert. Funktionelle Experimente umfassten Zellviabilitätsassays unter Behandlung mit SG bzw. EV sowie genetische Modifikationen durch CRISPR-Cas9-basierte Knock-out-Modelle und retrovirale Überexpressionsmodelle. Ergänzend erfolgte eine immunhistochemische Untersuchung von Patientenkohorten: Für Trop-2 wurden 31 zerebrale Metastasen von mCRPC-Patienten analysiert, für Nectin-4 eine Kohorte aus Primärtumoren (n=48) und verschiedenen Metastasen (n=22).
Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen eine ausgeprägte Trop-2-Expression in zerebralen Metastasen des mCRPC. Insgesamt wiesen 27 von 31 Proben eine mäßige bis starke Expression (H-Score ≥100) auf, während Nectin-4 in diesen Läsionen nicht nachweisbar war. In vitro konnte gezeigt werden, dass die Wirksamkeit von SG direkt von der Trop-2-Expression abhängt: Trop-2-positive DU-145-Zellen reagierten sensitiv auf SG, während Trop-2-negative PC-3-Zellen resistent waren. Eine künstliche Überexpression von Trop-2 führte zu einer Sensibilisierung gegenüber SG, wohingegen der Knock-out von Trop-2 eine Resistenz induzierte.
Im Gegensatz dazu zeigte sich für Nectin-4 ein heterogenes Expressionsmuster. In Primärtumoren sowie in häufigen Metastasenlokalisationen wie Lymphknoten, Knochen und Leber war Nectin-4 überwiegend nicht oder nur schwach exprimiert. Eine relevante membranöse Expression fand sich ausschließlich in Lungen- und Peritonealmetastasen. Entsprechend war die Wirksamkeit von EV in Zelllinien ebenfalls abhängig von der Nectin-4-Expression: Nectin-4-positive Zelllinien (z. B. LNCaP) zeigten eine dosisabhängige Wachstumshemmung, während Nectin-4-negative Zellen resistent blieben.
Zusammenfassung
Zusammenfassend liefert diese Arbeit eine präklinische und klinische Grundlage für den Einsatz von ADCs beim mCRPC. Die hohe Trop-2-Expression in zerebralen Metastasen und die nachgewiesene Expressionsabhängigkeit der SG-Wirksamkeit sprechen für ein therapeutisches Potenzial von SG in diesem schwer behandelbaren Patientenkollektiv. Für EV zeigt sich hingegen, dass eine Anwendung nur für ausgewählte Subgruppen mit nachweisbarer Nectin-4-Expression sinnvoll erscheint. Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung einer prätherapeutischen Biomarker-Analyse zur Patientenselektion und legen die Grundlage für zukünftige klinische Studien und einer gezielten und patientenindividuellen Tumortherapie.},

url = {https://hdl.handle.net/20.500.11811/14048}
}

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