Kempkens, Holger: Die Zisterzienserabteikirche Marienfeld und die Burgkapelle von Schloss Rheda : Untersuchungen zur Baugeschichte und zu ihrer stilistischen Einordnung in die europäische Architektur des 12. und 13. Jahrhunderts. - Bonn, 2026. - Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
Online-Ausgabe in bonndoc: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:5-91013
@phdthesis{handle:20.500.11811/14289,
urn: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:5-91013,
doi: https://doi.org/10.48565/bonndoc-912,
author = {{Holger Kempkens}},
title = {Die Zisterzienserabteikirche Marienfeld und die Burgkapelle von Schloss Rheda : Untersuchungen zur Baugeschichte und zu ihrer stilistischen Einordnung in die europäische Architektur des 12. und 13. Jahrhunderts},
school = {Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn},
year = 2026,
month = jul,

note = {Die vorliegende Studie untersucht mit der ehemaligen Zisterzienserabteikirche Marienfeld und dem Tor- und Kapellenturm von Schloss Rheda zwei herausragende Bauwerke der westfälischen Spätromanik an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert. Die umfassende Doppelmonographie analysiert beide Bauten erstmals systematisch in ihrem architektonischen, baugeschichtlichen und stilistischen Zusammenhang. Ziel ist es, ihre Baugenese, ihre funktionalen und liturgischen Konzepte sowie ihre Stellung innerhalb der europäischen Architekturentwicklung zu bestimmen.
Methodisch basiert die Untersuchung auf einer detaillierten Strukturanalyse der erhaltenen Bausubstanz, einer präzisen Autopsie der Bauwerke sowie auf vergleichenden stilistischen Analysen. Durch die Auswertung von Baufugen, Planänderungen, Materialwechseln und restauratorischen Befunden werden differenzierte Bauphasen rekonstruiert und relative Chronologien entwickelt. Grundlegend für die Analyse sind weiterhin die Auswertung archivalischer Quellen, liturgiegeschichtliche Fragestellungen und ordenshistorische Kontexte.
Für die bald nach der Klostergründung 1185 begonnene und 1222 geweihte Zisterzienserabteikirche Marienfeld gelingt die Rekonstruktion eines komplexen Bauablaufs mit mehreren Konzeptänderungen und Bauunterbrechungen, die erstmals eine Differenzierung von drei Hauptbauphasen mit jeweils bis zu drei Unterphasen erlauben. Überdies konnte die innovative Verwendung von Backstein, die erstmalige Anwendung von Domikalgewölben in Westfalen sowie die Entwicklung eines charakteristischen Pfeiler-Bogen-Gewölbe-Systems aufgezeigt werden. In diesem Kontext erweist sich die Abteikirche Marienfeld als bedeutendes Vermittlungszentrum westfranzösischer, insbesondere "angevinischer" bzw. dem "Style Plantagenêt" verpflichteter Bauformen nach Westfalen. Sie ist nun als der entscheidende Initial- und Schlüsselbau für die Ausprägung einer eigenständigen spätromanischen Baukunst in Westfalen anzusehen, die Marienfelder Bauhütte hat darüber hinaus eine zentrale Rolle inne für deren Ausstrahlung nach Norddeutschland, Skandinavien und in den Ostseeraum. Einen besonderen Aspekt stellt dabei die von einer einheitlichen, von den Kirchenbauten in Marienfeld und Lippstadt ausgehenden Formensprache geprägte Bautätigkeit von Bernhard II. zur Lippe, einem der Hauptstifter der Abtei Marienfeld, und seiner Kinder und Enkel dar. Dieser "lippische Familienstil", der schließlich die Architektur einer ganzen Region maßgeblich prägte, gehört zu den interessantesten Phänomenen in der europäischen Architekturgeschichte des Mittelalters.
Die Analyse der Burgkapelle von Rheda verdeutlicht die außergewöhnliche Verbindung von Wehr-, Wohn- und Sakralfunktion innerhalb eines Torturmes. Die baugeschichtliche Untersuchung erlaubt die Differenzierung von vier Bauphasen, die sich durch Planwechsel abgrenzen lassen, sowie die typologische Einordnung der Kapelle in die Entwicklung stauferzeitlicher Doppel- und Burgkapellen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der skulpturalen Ausstattung, den innovativen Raumlösungen sowie der funktionalen Gliederung des Kapellenraumes.
Die Arbeit zeigt, dass beide Bauwerke trotz unterschiedlicher Funktionen und Kontexte nicht isoliert betrachtet werden dürfen, sondern formensprachlich und bautechnisch auf das Engste miteinander verbunden und verschränkt sind. So findet sich etwa bei beiden Bauten nur in den frühen Bauphasen das "Quader-Modul" von 42,2 cm. Aufgrund dessen kann der Baubeginn in Rheda um 1191/95, also ca. 30 Jahre früher als bisher angenommen, angesetzt werden.
Die Studie zu diesen bisher aufgrund ihrer funktionalen Unterschiede in der Architekturforschung weitgehend separat untersuchten Bauten zeigt nun, dass beide Teil eines weitreichenden Netzwerkes personeller, stilistischer und kultureller Beziehungen waren. Ihre Rolle für die Ausbildung und Verbreitung innovativer Bauformen innerhalb der europäischen Architektur des 13. Jahrhunderts wurde bisher zu wenig wahrgenommen. Insbesondere die Verbindungen zur Familie der Edelherren zur Lippe, zu Bischof Hermann II. von Münster sowie zu verschiedenen westfälischen, norddeutschen, schwedischen und baltischen Bauprojekten machen die Bedeutung der beiden Monumente für die Architekturgeschichte des Hochmittelalters deutlich.},

url = {https://hdl.handle.net/20.500.11811/14289}
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