Hoffmann, Ralf Uwe: Zur Epidemiologie der Malaria in der Provinz Kunduz, Nordafghanistan von 2002 bis 2007. - Bonn, 2010. - Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
Online-Ausgabe in bonndoc: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:5N-23258
@phdthesis{handle:20.500.11811/4376,
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title = {Zur Epidemiologie der Malaria in der Provinz Kunduz, Nordafghanistan von 2002 bis 2007},
school = {Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn},
year = 2010,
month = dec,

note = {Die im Rahmen dieser Arbeit durchgeführten Untersuchungen haben gezeigt, dass der Beginn der Rückkehr der afghanischen Bürgerkriegsflüchtlinge, insbesondere aus den Malaria-Endemiegebieten Pakistans, zweifelsfrei zu einem damatischen Anstieg der Malaria in der Provinz Kunduz aber auch den Nachbarprovinzen in den Jahren 2001 und 2002 geführt hat. Feldstudien für den Zeitraum von 2001 bis 2007 zeigten eine jährliche Inzidenz für Plasmodium vivax von 0,88 bis 13,37 pro 1000 Einwohner pro Jahr sowie für Plasmodium falciparum von 0,0026 bis 4,39 pro 1000 Einwohner pro Jahr, mit einem Peak jeweils in 2002 und einer anschließend kontinuierlich absinkenden Inzidenz.
Als hauptsächliche Vektoren der Malaria konnten in der Provinz Kunduz Anopheles pulcherrimus, Anopheles hyrcanus und Anopheles superpictus identifiziert werden. Dabei stellte sich Anopheles superpictus, in der Untersuchungsregion eine anthropophile und endophage (in Räumen stechende) Spezies sowie typischer Frischwasserbrüter der Bäche und Flüsse, als der Hauptvektor für die Übertragung von Plasmodium falciparum heraus. Dagegen konnte als Hauptvektor für Plasmodium vivax die endophage Spezies Anopheles pulcherrimus und als Nebenvektor die in dieser Region strikt exophage Art Anopheles hyrcanus identifiziert werden.
Auch wenn durch gezielte Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung, wie zum Beispiel die rasche Behandlung von an Malaria erkrankten Patienten und die Verteilung von Moskitonetzen, die Verbreitung von Plasmodium falciparum reduziert werden konnte, blieb Plasmodium vivax ein national weit verbreiteter Krankheitserreger, bei dem der in den gemäßigten Breiten auftretende Polymorph-Typ VK 247 in über 90% der infizierten Anophelen-Pools zu finden war.
Die für die Verbreitung der Malaria tertiana in Nordafghanistan verantwortlichen Spezies Anopheles pulcherrimus und Anopheles hyrcanus sind typische Reisfeldbrüter, die sich durch eine Ausweitung und Intensivierung des Reisanbaus nach dem Ende des Bürgerkrieges in erheblichen Masse populationsdynamisch vermehrt und geographisch ausgebreitet haben. Beide Malariamückenarten unterscheiden sich deutlich hinsichtlich ihrer für die Analyse der bestehenden Malariatransmissionskette wichtigen Stecheigenschaften, da Anopheles pulcherrimus überwiegend nachts auch in geschlossenen Gebäuden, Anopheles hyrcanus überwiegend nachts, aber auch tagsüber, jedoch ausschließlich im Freien den Menschen sticht.
Um die Malaria in Nordafghanistan konsequent bekämpfen zu können, ist ein umfassender und integrativer Ansatz erforderlich, der neben der Fortsetzung der bisherigen Aktionen auch eine Reihe weiterer Maßnahmen erforderlich macht. Dazu gehört die Bekämpfung der Malariamückenlarven in den Reisfeldern, zum Beispiel mit Bacillus sphaericus oder Bacillus thuringiensis var. Israelensis Präparaten, die nachhaltige Implementierung persönlicher und baulicher Protektionsmaßnahmen gegen Stechmückenbefall und Mückenstiche in Häusern und – soweit möglich - eine Reduzierung von Reisanbaugebieten in unmittelbarer Nähe zu Ortschaften.
Für Reisende sowie Angehörige des Bundeswehrkontingentes besteht vor allem in den Monaten Mai bis November eine Gefahr, sich mit Malaria zu infizieren, so dass für diesen Zeitraum eine geeignete integrativ-synergistische Malariaprophylaxe unter Verwendung der genannten Methoden erfolgen sollte. Diese sind anzuwenden, auch wenn am Einsatzort selber durch implementierte und optimierte Präventiv- und Bekämpfungsmaßnahmen der Vektordruck sehr gering ist.
Die im Bundeswehrkontingent zur Verfügung stehende epidemiologische Fachexpertise wurde und sollte weiterhin dazu genutzt werden, auch die zivilen Anstrengungen zur Malariabekämpfung zu unterstützen. Beispiele, wie der Neubau der Malariazentren in Kunduz und Taloqan, sind dabei Beispiele für eine positive wie konstruktive Zusammenarbeit zwischen ISAF, dem zivilen Gesundheitswesen und den vor Ort tätigen NGOs.},

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