Zhuang, Chengzhan: Innovationspolitik im Globalen Süden : Eine vergleichende Fallstudie aufstrebender ICT-Industrien in Indien und China. - Bonn, 2018. - Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
Online-Ausgabe in bonndoc: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:5-51370
@phdthesis{handle:20.500.11811/7448,
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author = {{Chengzhan Zhuang}},
title = {Innovationspolitik im Globalen Süden : Eine vergleichende Fallstudie aufstrebender ICT-Industrien in Indien und China},
school = {Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn},
year = 2018,
month = dec,

note = {Die Länder, in denen sich hochwertige technologische Unternehmen ansiedeln, werden auch im zukünftigen globalen Wettbewerb eine wichtige Rolle spielen. Dabei sind insbesondere Schwellen- und Entwicklungsländer sind in ihrer Transformation zu Industrieländern auf eigene technologische Unternehmen und Industrien angewiesen. Dies hat gerade auch die Transformation, die Japan und Südkorea zwischen den 1960er und 1990er Jahren durchlau-fen haben, offenbart.
Indien und China – die beiden entwicklungsstärksten Schwellenländer – setzen ebenfalls auf eine aufstrebende ICT-Industrie, um sich zu Industrieländern zu entwickeln. Jedoch ist der Erfolg der beiden bevölkerungsreichen Länder unterschiedlich beschaffen. Während Indien weiterhin an einer umfassenden Entwicklung seine ICT-Industrie scheitert, vermag es China bereits erste Erfolge zu verzeichnen. Im Kontext dieser unterschiedlichen Entwicklungen un-tersucht diese Dissertation nun die Ursachen, um auch erste Schlüsse für das Entwicklungs-potenzial anderer Schwellen- und Entwicklungsländer zu ziehen. Dabei behandelt diese Dis-sertation zwei zentrale empirische Forschungsfragen: 1) Welche Faktoren erklären die wett-bewerbsfähige Entwicklung der ICT-Industrie in Indien und China? 2) Warum haben sich die ICT-Industrien in Indien und China zwischen 1980 bis 2015 jeweils unterschiedlich entwi-ckelt?
Um die Forschungsfragen zu untersuchen, wurden zunächst auf theoretischer Ebene relevante Innovations- und Wettbewerbstheorien, sowie industriepolitische Theorien auf ihr Erklä-rungspotenzial diskutiert. Dabei erwies sich eine modifizierte Version des Diamond-Modells nach Micheal Porter als am besten geeignet, um die empirische Untersuchung zu leiten. Als zentrale Forschungsmethode wurde wiederum die vergleichende Fallstudie ausgewählt. Diese griff auf Deskriptive Analysen und Informationsvisualisierung sowie Regressionsanalysen zurück, um das existierende Material weiter zu verdichten und aufzubereiten.
Die Ergebnisse verdeutlichen zunächst, dass sich die ICT-Industrie Indiens im Vergleich zur umfassenden ICT-Industrie Chinas lediglich auf ICT-Dienstleistungen, Softwareprodukte und dazugehörige Dienstleistungen konzentriert hat. Im Gegensatz zu China sind die Ge-schäfte der ICT-Industrie Indiens dabei auch äußerst ähnlich. Als die entscheidenden Fakto-ren für diese Unterschiede wurden die Nachfrageorientierungen identifiziert. Während sich ICT-Industrie in Indien an der Auslandsnachfrage orientiert, stützt sich die ICT-Industrie in Chinas auf die Binnennachfrage. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass die chinesische Industriegesellschaft eine große Binnennachfrage generieren kann. Damit sind ihre Konsu-menten auch relativ bereiter, neue Technologien aus der ICT-Industrie aufzunehmen und von ihnen zu profitieren. In Indien existiert eine solche inländische Offenheit jedoch nicht, wes-wegen vor allem die Auslandsnachfrage die Entwicklung der ICT-Industrie bedingt und limi-tiert.
Aus einer nachhaltigen Wettbewerbsperspektive ist die ICT-Industrie in China ebenfalls bes-ser aufgestellt als die ICT-Industrie in Indien. So befindet sich letztere noch ausschließlich auf den nachgeordneten Abschnitten der globalen Wertschöpfungskette und wird daher weiterhin sehr abhängig von ausländischen Unternehmen der übergeordneten Abschnitte bleiben. Da-mit ist die Entwicklung der ICT-Industrie in Indien insbesondere von Wechselkursverände-rungen abhängig, welche eine starke Bedeutung für die Auslandsnachfrage besitzen. Im Ge-gensatz zu Indien ist die ICT-Industrie Chinas wiederum dabei, auf sämtliche Abschnitte der globalen Wertschöpfungskette der ICT-Industrie vorzudringen. So konnte die ICT-Industrie in China bereits ein umfassendes ICT-Ökosystem entwickeln, welches äußerst positive Sy-nergieeffekte leistet. Dadurch können einige chinesische Unternehmen womöglich sogar während des Übergangs von der jetzigen 4G-Technologie zur 5G-Technologie endgültig zu globalen, wettbewerbsfähigen ICT-Unternehmen aufsteigen.
Schlussfolgernd ist die ICT-Industrie Chinas damit ein typisches Beispiel für den allmähli-chen ‚Catch Up', bei dem sie sich beinahe vollständig auf die inländische Industriegesell-schaft stützen kann. Die ICT-Industrie in Indien ist wiederum ein typisches Beispiel für ‚Leap Frogging', da sie weiterhin stark auf die Agrarwirtschaft angewiesen ist. Dies belegt insbe-sondere auch der Entwicklungsgrad der Basisinfrastruktur. Diese Erkenntnisse sollten auch in die Entwicklungspolitik anderer Schwellen- und Entwicklungsländer einfließen, da sie aufzeigen, welche Bedeutung die Ankurbelung der inländischen Binnennachfrage und die Entwicklung von ICT-Ökosystemen für die zukünftige globale Wettbewerbsfähigkeit der Länder besitzen. Damit sind aber auch unausweichlich weitere Politikfelder wie Soziales und Bildung betroffen.},

url = {http://hdl.handle.net/20.500.11811/7448}
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