Hüther, Theresa: Die Entstehung der alt-katholischen Kirche im Großherzogtum Hessen-Darmstadt (1870-1895/6). - Bonn, 2025. - Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
Online-Ausgabe in bonndoc: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:5-86758
Online-Ausgabe in bonndoc: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:5-86758
@phdthesis{handle:20.500.11811/13733,
urn: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:5-86758,
doi: https://doi.org/10.48565/bonndoc-735,
author = {{Theresa Hüther}},
title = {Die Entstehung der alt-katholischen Kirche im Großherzogtum Hessen-Darmstadt (1870-1895/6)},
school = {Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn},
year = 2025,
month = dec,
note = {Die Arbeit untersucht die Entstehung der alt-katholischen Kirche im Großherzogtum Hessen-Darmstadt von der Vorgeschichte über den Protest gegen die Dogmen des 1. Vatikanischen Konzils bis zum Ende des Episkopats von Joseph Hubert Reinkens (gest. Anfang 1896).
Bereits vor dem 1. Vatikanischen Konzil gab es im Großherzogtum Hessen-Darmstadt einzelne anti-ultramontane Bestrebungen. In Reaktion auf die Dogmatisierung von Jurisdiktionsprimat und Unfehlbarkeit des Papstes 1870 wurde der Protest dagegen an einigen Orten institutionell eigenständig. Im Großherzogtum Hessen-Darmstadt entstanden als Reaktion darauf unterschiedlich große alt-katholische Gemeinden, die sich auch als unterschiedlich langlebig erwiesen.
Offenbach war die größte Gemeinde mit eigenem Pfarrer und stabilem Gemeindeleben. Gießen hatte eine lange Vorgeschichte: Bereits 1870, fast unmittelbar nach ihrer Verkündung, protestierten Professoren der Universität gegen die neuen Dogmen. Dort kam es jedoch nie zu einem kontinuierlichen Gemeindeleben, und de facto starb die Gemeinde 1894 aus. Im ländlichen Heßloch gelang es (national-)liberalen Winzern in ihrem Protest gegen den ultramontanen Ortspfarrer und seine Anhänger 1874/75, eine altkatholische Gemeinde zu gründen, die ein stabiles Gemeindeleben mit Gottesdiensten im zweiwöchigen Rhythmus entwickelte und sogar einen eigenständigen alt-katholischen Religionsunterricht einrichten konnte. Nach dem Bau einer eigenen Kirche im Jahr 1890 erhielt die Gemeinde 1893 einen eigenen Geistlichen. Die kleine Mainzer Gemeinde war publizistisch tätig und kritisierte polemisch ultramontane Positionen. Sie kümmerte sich zunächst um den Religionsunterricht und konnte dank ihrer Nähe zu Wiesbaden alle zwei Wochen Gottesdienst feiern. Die Wormser Gemeinde wurde 1875 gegründet, konnte sich aber nicht dauerhaft etablieren. In Mölsheim (Rheinhessen) scheiterte der Versuch einer Gemeindegründung noch früher. In Darmstadt wurde 1895/96 eine neue Gemeinde gegründet, die trotz ihrer geringen Mitgliederzahl ein Gemeindeleben entwickelte. Dort ist insbesondere die Beteiligung von Frauen an Wahlen bemerkenswert. An anderen Orten in Hessen lebten Altkatholiken in der Diaspora.
Das dauerhafte Bestehen einer Gemeinde war von verschiedenen Faktoren abhängig: Zum Teil wurde ein bereits bestehender liberaler Protest gegen den Ultramontanismus nun in der alt-katholischen Kirche fortgesetzt. Die Größe einer Gemeinde war entscheidend. Unterhalb einer Zahl von 100 Personen war ein sehr hohes Maß an Engagement aller Gemeindemitglieder erforderlich, um das Gottesdienstleben zu ermöglichen. Die Verfügbarkeit eines Geistlichen und sein Engagement für die alt-katholische Sache waren ebenfalls entscheidend. Darüber hinaus spielten die finanziellen Möglichkeiten, ein Kirchengebäude und die Weitergabe der Konfessionszugehörigkeit an die nächste Generation eine wichtige Rolle.
Im Großherzogtum Hessen-Darmstadt wurde die alt-katholische Kirche als eigenständige Konfession anerkannt und unterschied sich damit in Bezug auf das Staatskirchenrecht von allen anderen Gebieten des Deutschen Reiches. Sie wurde also weder besonders gefördert noch benachteiligt.},
url = {https://hdl.handle.net/20.500.11811/13733}
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Bereits vor dem 1. Vatikanischen Konzil gab es im Großherzogtum Hessen-Darmstadt einzelne anti-ultramontane Bestrebungen. In Reaktion auf die Dogmatisierung von Jurisdiktionsprimat und Unfehlbarkeit des Papstes 1870 wurde der Protest dagegen an einigen Orten institutionell eigenständig. Im Großherzogtum Hessen-Darmstadt entstanden als Reaktion darauf unterschiedlich große alt-katholische Gemeinden, die sich auch als unterschiedlich langlebig erwiesen.
Offenbach war die größte Gemeinde mit eigenem Pfarrer und stabilem Gemeindeleben. Gießen hatte eine lange Vorgeschichte: Bereits 1870, fast unmittelbar nach ihrer Verkündung, protestierten Professoren der Universität gegen die neuen Dogmen. Dort kam es jedoch nie zu einem kontinuierlichen Gemeindeleben, und de facto starb die Gemeinde 1894 aus. Im ländlichen Heßloch gelang es (national-)liberalen Winzern in ihrem Protest gegen den ultramontanen Ortspfarrer und seine Anhänger 1874/75, eine altkatholische Gemeinde zu gründen, die ein stabiles Gemeindeleben mit Gottesdiensten im zweiwöchigen Rhythmus entwickelte und sogar einen eigenständigen alt-katholischen Religionsunterricht einrichten konnte. Nach dem Bau einer eigenen Kirche im Jahr 1890 erhielt die Gemeinde 1893 einen eigenen Geistlichen. Die kleine Mainzer Gemeinde war publizistisch tätig und kritisierte polemisch ultramontane Positionen. Sie kümmerte sich zunächst um den Religionsunterricht und konnte dank ihrer Nähe zu Wiesbaden alle zwei Wochen Gottesdienst feiern. Die Wormser Gemeinde wurde 1875 gegründet, konnte sich aber nicht dauerhaft etablieren. In Mölsheim (Rheinhessen) scheiterte der Versuch einer Gemeindegründung noch früher. In Darmstadt wurde 1895/96 eine neue Gemeinde gegründet, die trotz ihrer geringen Mitgliederzahl ein Gemeindeleben entwickelte. Dort ist insbesondere die Beteiligung von Frauen an Wahlen bemerkenswert. An anderen Orten in Hessen lebten Altkatholiken in der Diaspora.
Das dauerhafte Bestehen einer Gemeinde war von verschiedenen Faktoren abhängig: Zum Teil wurde ein bereits bestehender liberaler Protest gegen den Ultramontanismus nun in der alt-katholischen Kirche fortgesetzt. Die Größe einer Gemeinde war entscheidend. Unterhalb einer Zahl von 100 Personen war ein sehr hohes Maß an Engagement aller Gemeindemitglieder erforderlich, um das Gottesdienstleben zu ermöglichen. Die Verfügbarkeit eines Geistlichen und sein Engagement für die alt-katholische Sache waren ebenfalls entscheidend. Darüber hinaus spielten die finanziellen Möglichkeiten, ein Kirchengebäude und die Weitergabe der Konfessionszugehörigkeit an die nächste Generation eine wichtige Rolle.
Im Großherzogtum Hessen-Darmstadt wurde die alt-katholische Kirche als eigenständige Konfession anerkannt und unterschied sich damit in Bezug auf das Staatskirchenrecht von allen anderen Gebieten des Deutschen Reiches. Sie wurde also weder besonders gefördert noch benachteiligt.},
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