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Die Entstehung der alt-katholischen Kirche im Großherzogtum Hessen-Darmstadt (1870-1895/6)

dc.contributor.advisorKrebs, Andreas
dc.contributor.authorHüther, Theresa
dc.date.accessioned2025-12-10T13:50:28Z
dc.date.available2025-12-10T13:50:28Z
dc.date.issued10.12.2025
dc.identifier.urihttps://hdl.handle.net/20.500.11811/13733
dc.description.abstractDie Arbeit untersucht die Entstehung der alt-katholischen Kirche im Großherzogtum Hessen-Darmstadt von der Vorgeschichte über den Protest gegen die Dogmen des 1. Vatikanischen Konzils bis zum Ende des Episkopats von Joseph Hubert Reinkens (gest. Anfang 1896).
Bereits vor dem 1. Vatikanischen Konzil gab es im Großherzogtum Hessen-Darmstadt einzelne anti-ultramontane Bestrebungen. In Reaktion auf die Dogmatisierung von Jurisdiktionsprimat und Unfehlbarkeit des Papstes 1870 wurde der Protest dagegen an einigen Orten institutionell eigenständig. Im Großherzogtum Hessen-Darmstadt entstanden als Reaktion darauf unterschiedlich große alt-katholische Gemeinden, die sich auch als unterschiedlich langlebig erwiesen.
Offenbach war die größte Gemeinde mit eigenem Pfarrer und stabilem Gemeindeleben. Gießen hatte eine lange Vorgeschichte: Bereits 1870, fast unmittelbar nach ihrer Verkündung, protestierten Professoren der Universität gegen die neuen Dogmen. Dort kam es jedoch nie zu einem kontinuierlichen Gemeindeleben, und de facto starb die Gemeinde 1894 aus. Im ländlichen Heßloch gelang es (national-)liberalen Winzern in ihrem Protest gegen den ultramontanen Ortspfarrer und seine Anhänger 1874/75, eine altkatholische Gemeinde zu gründen, die ein stabiles Gemeindeleben mit Gottesdiensten im zweiwöchigen Rhythmus entwickelte und sogar einen eigenständigen alt-katholischen Religionsunterricht einrichten konnte. Nach dem Bau einer eigenen Kirche im Jahr 1890 erhielt die Gemeinde 1893 einen eigenen Geistlichen. Die kleine Mainzer Gemeinde war publizistisch tätig und kritisierte polemisch ultramontane Positionen. Sie kümmerte sich zunächst um den Religionsunterricht und konnte dank ihrer Nähe zu Wiesbaden alle zwei Wochen Gottesdienst feiern. Die Wormser Gemeinde wurde 1875 gegründet, konnte sich aber nicht dauerhaft etablieren. In Mölsheim (Rheinhessen) scheiterte der Versuch einer Gemeindegründung noch früher. In Darmstadt wurde 1895/96 eine neue Gemeinde gegründet, die trotz ihrer geringen Mitgliederzahl ein Gemeindeleben entwickelte. Dort ist insbesondere die Beteiligung von Frauen an Wahlen bemerkenswert. An anderen Orten in Hessen lebten Altkatholiken in der Diaspora.
Das dauerhafte Bestehen einer Gemeinde war von verschiedenen Faktoren abhängig: Zum Teil wurde ein bereits bestehender liberaler Protest gegen den Ultramontanismus nun in der alt-katholischen Kirche fortgesetzt. Die Größe einer Gemeinde war entscheidend. Unterhalb einer Zahl von 100 Personen war ein sehr hohes Maß an Engagement aller Gemeindemitglieder erforderlich, um das Gottesdienstleben zu ermöglichen. Die Verfügbarkeit eines Geistlichen und sein Engagement für die alt-katholische Sache waren ebenfalls entscheidend. Darüber hinaus spielten die finanziellen Möglichkeiten, ein Kirchengebäude und die Weitergabe der Konfessionszugehörigkeit an die nächste Generation eine wichtige Rolle.
Im Großherzogtum Hessen-Darmstadt wurde die alt-katholische Kirche als eigenständige Konfession anerkannt und unterschied sich damit in Bezug auf das Staatskirchenrecht von allen anderen Gebieten des Deutschen Reiches. Sie wurde also weder besonders gefördert noch benachteiligt.
de
dc.description.abstractThe Emergence of the Old Catholic Church in the Grand Duchy of Hesse-Darmstadt (1870-1895/6)
The dissertation examines the emergence of the Old Catholic Church in the Grand Duchy of Hesse-Darmstadt from prehistory to the protest against the dogmas of the 1st Vatican Council to the end of the episcopate of Joseph Hubert Reinkens (d. 1896).
Even before the First Vatican Council, there were some anti-ultramontane activities in the Grand Duchy of Hesse-Darmstadt. In response to the dogmatization of the primacy of jurisdiction and papal infallibility 1870, protests against this became institutionally independent in some places. In the Grand Duchy of Hesse-Darmstadt arose Old Catholic parishes of different size, time of origin and durability:
Offenbach was the largest parish with its own pastor and stable parish life. Giessen had a long history, professors of the university protested against the new dogmas as early as 1870. There, however, a continuous congregational life never came about, and de facto the congregation died out in 1894. In rural Heßloch, (national) liberal winegrowers, in their protest against the ultramontane local priest and his followers, were able to found an Old Catholic congregation in 1874/75, which had a stable congregational life with biweekly services and religious instruction. After building its own church in 1890, the congregation received its own clergyman in 1893. The small Mainz congregation was very active in publishing and polemically criticized ultramontane positions. It initially took care of religious instruction and, thanks to its proximity to Wiesbaden, was able to establish a regular congregational life on a biweekly basis. The Worms congregation was founded in 1875, but was unable to gain a lasting presence. In Mölsheim in Rhine Hesse, the attempt to found a congregation failed even earlier. In Darmstadt, a new congregation was founded in 1895/96, which developed a congregational life despite its small number of members. There, the participation of women in elections is particularly noteworthy. In other places in Hesse, Old Catholics lived in the diaspora.
The long-term existence of a community depended on various factors: In part, an already existing liberal protest against ultramontanism was continued in the Old Catholic Church. The size of a congregation was crucial. Below a number of 100 people, a very high level of commitment was needed from all parishioners to make worship life possible. The availability of a clergyman and his commitment to the Old Catholic cause were also crucial. In addition, the financial possibilities, a place of worship, and the passing on of denominational affiliation to the next generation played an important role.
In the Grand Duchy of Hesse-Darmstadt, the Old Catholic Church was recognized as an independent denomination, thus differing from all other areas in the German Empire in terms of state-church law. Thus, it was neither particularly promoted nor disadvantaged.
en
dc.language.isodeu
dc.rightsIn Copyright
dc.rights.urihttp://rightsstatements.org/vocab/InC/1.0/
dc.subjectAlt-Katholizismus
dc.subjectAnti-Ultramontanismus
dc.subjectKirchwerdung
dc.subjectGroßherzogtum Hessen-Darmstadt
dc.subject19. Jahrhundert
dc.subjectKatholizismusforschung
dc.subjectOffenbach
dc.subjectMainz
dc.subjectGießen
dc.subjectWorms
dc.subjectMölsheim
dc.subjectDarmstadt
dc.subjectDittelsheim-Heßloch
dc.subjectRheinhessen
dc.subjectNationalliberalismus
dc.subject19th century
dc.subjectOld Catholicism
dc.subjectAntiultramontanism
dc.subjectGrand Duchy of Hesse-Darmstadt
dc.subjectNational Liberalism
dc.subject.ddc230 Theologie, Christentum
dc.titleDie Entstehung der alt-katholischen Kirche im Großherzogtum Hessen-Darmstadt (1870-1895/6)
dc.typeDissertation oder Habilitation
dc.identifier.doihttps://doi.org/10.48565/bonndoc-735
dc.publisher.nameUniversitäts- und Landesbibliothek Bonn
dc.publisher.locationBonn
dc.rights.accessRightsopenAccess
dc.identifier.urnhttps://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:5-86758
ulbbn.pubtypeErstveröffentlichung
ulbbnediss.affiliation.nameRheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
ulbbnediss.affiliation.locationBonn
ulbbnediss.thesis.levelDissertation
ulbbnediss.dissID8675
ulbbnediss.date.accepted21.12.2022
ulbbnediss.institutePhilosophische Fakultät : Arbeitsbereich Philosophie und Theorie der Religionen (PTR)
ulbbnediss.fakultaetPhilosophische Fakultät
dc.contributor.coRefereeEßer, Günter


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