Schöler, Arne: Untersuchungen zur Biologie und Ökologie der Herbstmilbe Neotrombicula autumnalis (Acari: Trombiculidae) im Hinblick auf Bekämpfungsmöglichkeiten sowie zu ihrer Bedeutung als Vektor der Borreliose. - Bonn, 2003. - Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
Online-Ausgabe in bonndoc: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:5n-02088
@phdthesis{handle:20.500.11811/1910,
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author = {{Arne Schöler}},
title = {Untersuchungen zur Biologie und Ökologie der Herbstmilbe Neotrombicula autumnalis (Acari: Trombiculidae) im Hinblick auf Bekämpfungsmöglichkeiten sowie zu ihrer Bedeutung als Vektor der Borreliose},
school = {Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn},
year = 2003,
note = {Die Herbst- oder Erntemilbe Neotrombicula autumnalis (Fam. Trombiculidae) ist in den letzten 15 Jahren in vielen Teilen Deutschlands in Gärten, Parks und Grünanlagen zu einer Plage geworden. Die Stiche der Herbstmilbenlarven führen beim Menschen zu unangenehm juckenden rötlichen Papeln auf der Haut, einer Trombidiose oder Trombiculose genannten Dermatose.
Die Herbstmilbe durchläuft einen Lebenszyklus, bestehend aus einer oberirdischen Phase (Larve) und einer längeren unterirdischen Phase (alle post-larvalen Entwicklungsstadien). Die Larven sind zur weiteren Entwicklung als Ektoparasiten auf warmblütige Wirbeltiere angewiesen. Maßnahmen zur Bekämpfung der Herbstmilbe auf den Befallsflächen blieben bislang erfolglos.
Im Bonner Raum treten Trombidiose-ähnliche Stichsymptome zu unüblichen Jahreszeiten auf. Auffällig ist außerdem, dass nicht jeder Garten befallen zu sein scheint.
Im Rahmen eines Forschungsprojektes wurden daher Fragestellungen zum jahreszeitlichen Auftreten der Larve, der Verteilung der Tiere auf den Befallsflächen und der diese Verteilung bestimmenden Einflussgrößen bearbeitet. Daraus sollten Möglichkeiten für eine ,ökologischen Bekämpfung' der Tiere abgeleitet werden.
Des Weiteren wurde die Arten-Zusammensetzung der Trombiculiden-Fauna auf den Befallsflächen erfasst. Im Falle des Auftretens verschiedener Arten, Unterarten oder Ökotypen innerhalb der Gattung Neotrombicula war der Aufbau eines molekularbiologischen Identifizierungsverfahrens vorgesehen.
Daneben wurden Untersuchungen zur Bedeutung der Milbe als Vektor der Borreliose durchgeführt.
Die einzige nachgewiesene Trombiculiden-Art auf den Befallsflächen war Neotrombicula autumnalis, die Herbstmilbe, von der keine morphologisch abweichenden Exemplare auf­­traten.
Es konnten keine Larven der Herbstmilbe außerhalb der üblichen Larvensaison im Sommer und Herbst gefangen werden. Das Auftreten von Trombidiose-Symptomen im Bonner Raum im Frühjahr oder Winter konnte folglich nicht mit der Herbstmilbe in Verbindung gebracht werden. Andere mögliche Ursachen für die Stichsymptome werden diskutiert.
Für den quantitativen Nachweis der Larven hat sich ein als ,Kachelfangmethode' bezeichnetes Verfahren als geeignet erwiesen, mit dem die räumliche Verteilung der Herbstmilbenlarven unproblematisch erfasst werden kann. Darüber hinaus wurde eine weitere quantitative Fangmethode entwickelt (Lockkegelfangmethode).
Die Verteilung der Herbstmilbe auf den Befallsflächen ist ungleichmäßig und Herd-artig. Besondere Strukturen der Bodenoberfläche konnten als Ursache dafür nicht ausgemacht werden. Die Auswertung bodenphysikalischer, bodenchemischer und boden(meso-)­faunistischer Untersuchungen an Herbstmilbenherden ergab eine statistisch signifikante, sehr geringe Bedeutung der Mittelporengehalte und des pH-Wertes für die Larvenabundanzen an den Herden. Als statistisch auffällig, aber nicht signifikant erwiesen sich der Grobporengehalt und der Bodenluftgehalt in den oberflächennahen Bodenschichten. Es wird diskutiert, dass die heterogene Verteilung der Herbstmilbe beim Vergleich verschiedener Bonner Stadtteile durch eine unterschiedlich starke Verbreitung der Tiere begründet ist.
Das Larvenstadium der Herbstmilbe ist euryök. Für die post-larvalen Entwicklungsstadien können diesbezüglich keine Aussagen gemacht werden.
Messungen der Bodentemperaturen in drei Winterhalbjahren im Bonner Raum belegen, dass der Winterverlauf zu mild ist, um einen Einfluss auf die Entwicklung der Herbstmilbe zu nehmen. In diesem Zusammenhang werden biologische Aspekte wie das Überwinterungsstadium sowie die Aufenthaltstiefe im Boden und die Lebensdauer der post-larvalen Entwicklungsstadien diskutiert.
Eine ,ökologische Bekämpfung' ist gezielt an den Herbstmilbenherden möglich. Das Verfahren ist wegen der Notwendigkeit einer genauen Lokalisierung der Herde arbeitsaufwändig, aber einfach durchzuführen.
Molekularbiologisch-taxonomische Vergleichsuntersuchungen zeigten, dass die Herbstmilbe in verschiedenen Gegenden möglicherweise unterschiedliche Genotypen ausbildet. Verschiedene Genospezies konnten im Vergleich mit anderen deutschen und europäischem Regionen nicht gefunden werden.
Eine Zucht der Herbstmilbe konnte im Labor nicht etabliert werden: Es gelang nicht, die Nymphen am Leben zu erhalten. Es wird vermutet, dass sowohl das Nahrungsangebot als auch die Umweltbedingungen in den Zuchtgefäßen dafür verantwortlich sind.
Auf Grund des fehlenden Zuchterfolges konnte die Frage einer möglichen Vektorfunktion der Herbstmilbe bei der Übertragung von Borreliose auf den Menschen nicht abschließend geklärt werden. Eine Aufnahme von Borrelien aus dem Wirt durch die saugende Larve konnte in Infektionsversuchen nachgewiesen werden. In den nachfolgenden Entwicklungsstadien wurde in nur einem Fall ein Borrelien-Nachweis erbracht: Dieser wies allerdings auf eine Wildinfektion der nüchternen, im Freiland gefangenen Larve hin. Eine eindeutige Klärung der Kompetenz der Herbstmilbe als Vektor steht noch aus.},

url = {http://hdl.handle.net/20.500.11811/1910}
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